Autorität

 z

 

Autorität wie Vertrauen werden durch nichts mehr erschüttert als durch das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.“

– Theodor Storm 

 

Autorität, Vertrauen, Gerechtigkeit  -  Drei Begriffe, die sich lohnen, näher angeschaut zu werden.

 

  Gerechtigkeit

  Vertrauen

 

  Autorität 

 

Wir müssen zunächst ein bißchen differenzieren, denn der Begriff „Autorität“ hat mindestens zwei Bedeutungen:

 

A – Autorität von unten → nach oben... gesehen

B – Autorität von oben → nach unten... erzwungen

 

Der Repräsentant der einen Form von Autorität (A) wird von unten bestätigt, während der Repräsentant der anderen Form von Autorität auf seinen Stand verweist und die entsprechende (Be-)Achtung konsequent einfordert. In diesem Fall (B) spielen Angst und fehlendes Selbstwert-Gefühl eine wesentliche Rolle. Aber:

 

In beiden Fällen handelt

es sich um... Projektion.

 

Die eine Autorität, die „von unten“ (A) als solche gesehen wird, ist aus freien Stücken von uns selbst temporär in ihren Stand „eingesetzt“ und kann jederzeit wieder „gekündigt“ werden. Beispiele: Lehrmeister, (Berg-)Führer, Experte, Guru, Dirigent... u.s.w.

Nehmen wir als Anschauungsbeispiel eine Volkshochschul-Klasse, in der sich ältere Leute von jungen Leuten (Schülern) in der Rolle des Lehrers, unterrichten lassen. In dieser Konstellation ist der junge Bengel den alten Kerlen eine Autorität, deren Anweisungen sie nicht nur klaglos, sondern sogar gerne befolgen.

 

Die andere Autorität (B), die früher als „von oben“ herrschend gesehen wurde, verlangte Gehorsam. Ungehorsam zog unterschiedlich strenge Strafen nach sich. Beispiele: Lehrer, Priester, Offizier, Eltern... u.s.w. Diese praktizierte Form von Autorität scheint sich – zumindest in unserer Gegend – allmählich aufzulösen. Sie ist eine primitive und unintelligente Art von Autorität. Sie beruht auf Macht, auf einem Machtgefälle, auf das Einfordern von Gehorsam, auf die Androhung und Ausübung von Gewalt, also auf die Erzeugung von Angst.

 

Diese Form von Autorität versteht nichts von Würde, lieber Theodor, sie gehört derart erschüttert..., daß nichts mehr von ihr übrig bleibt!  

 

 

Rebellion

 

Gehorsam

 

Psychologie der Autorität

 

 

 

 

Überlegenheit

 

 

Das Kind ist zunächst und über eine sehr lange Zeitspanne hinweg schwach und hilflos. Von leichten Veränderungen abgesehen, bleibt das so – bis zum Ende der Kindheit. Das Kind bleibt dem Erwach-senen gegenüber physiologisch und psychologisch unterlegen.

 

An einem bestimmten Punkt in der psychologischen Entwicklung ist das Erzwingen der Überlegenheit ein wichtiger Moment, ein bedeutender Schritt im Bereich des psychologischen Wachstums und der Geistigen Reife, zum Beispiel als Herauswachsen aus einer Autoritäts- & Gehorsams-Struktur.

 

Es kann sein, daß dieser Moment vergleichsweise unspektakulär, also undramatisch verläuft, sodaß er womöglich auf beiden Seiten nicht einmal als außergewöhnlich und oft also gar nicht mal bewußt wahrgenommen wird. So kurz dieser Moment auch sein mag, er ist dennoch irreversibel. Unwiderruflich. 

 

Bleibt jemand jedoch in dieser Phase stecken, indem er seine Über-legenheit vermeidet, wird er an diesem Punkt sein Leben lang zu knabbern haben, denn die Situationen holen uns immer wieder ein und konfrontieren uns mit der unerlegten Thematik.

 

Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, daß jemand permanent Gelegenheiten sucht, um Überlegenheit zu demonstrieren.

 

Beide Formen sind psychologisch ungesund, da sie uns auf einem kindlichen Niveau der Geistigen Reife gefangen halten.

 

So kann der Ausdruck von Überlegenheit ein Indiz für mehrere - von einander ganz verschiedene - Situationen sein:

 

  • Indiz für einen bedeutsamen Wachstums-Schritt (3)

  • Indiz für Stagnation auf einer niedrigen (kindlichen) Ebene (2)

  • Indiz für Verantwortungsübernahme gegenüber Schwachen (4)

 

 

Geistige Reife