Eigenständigkeit   Erwachsenen-Modus



"Ich suche nach keiner anderen Wissenschaft als der, welche von der Kenntnis meiner selbst handelt, welche mich lehrt, gut zu leben und gut zu sterben."

Michel de Montaigne 

 

Michel de Montaigne sagt: "Ich suche nach … Wissenschaft ..., welche von der Kenntnis meiner selbst handelt"

 

Es gibt eine Wissenschaft, die von der Kenntnis deiner selbst handelt, Michel, aber die kannst nur du selber und nur du allein betreiben.


Eine die Menschenwürde achtende und liebende Gesellschaft wird ihre Kleinen ermutigen, frühestmöglich auf Halteseile, Stützräder und Schwimmflügel zu verzichten, damit sie baldmöglichst eigen-ständig, also ohne störende Krücken, ihr Leben leben können. 

 

 

Michel de Montaigne: "Wissenschaft ... welche mich lehrt, gut zu leben" 


Kannst du denn nicht ohne die Hilfe einer Krücke, ohne eine Leitplanke ein gutes Leben führen? Du bist doch kein Kleinkind mehr!

Als erwachsener Mann hast du alles, was es braucht – um ein Leben führen zu können, das andere „gut“ nennen können – in dir selbst.


Im Erwachsenen-Modus (4)

bist du auf keine äußere Führung angewiesen.

 

 

Reife

 


 

Helden 

 

 

Jemand spricht von Nelson Mandela als von einem „Mann, der uns gezeigt hat, wie man leben kann“Aber das geht nicht:

 

Niemand anderes als Nelson Mandela selbst

konnte und kann so leben, wie Nelson Mandela gelebt hat!

 

Er konnte uns zeigen, wie er gelebt hat - alles andere ist Bullshit.

 

Wir haben alle Anlagen der „Größe“ und alle Potenziale der „Kleinheit“ in uns selber. Welche Anlagen wir in welchen Portionen entfalten, liegt ganz bei uns. Dabei kann uns kein vermeintlicher „Held“ – aus welcher Geschichte auch immer – helfen.

 

Es ist diese Erstarrung im Blick auf die „Lehrer“ und andere Helden, die unsere eigenen Anlagen verkümmern läßt.

 

Die Hauptfunktion eines „Vor-“Bildes ist

es, uns den  e i g e n e n  Blick zu verstellen.

 

So, wie wir am Ende der Kindheit unsere leblosen Puppen fallen lassen konnten, so sollten wir am Ende der Pubertät auch unsere Vorbilder und andere „tote“ Helden fallen lassen können. Das gebietet die Intelligenz.

 

 

 

 

Vorbilder

 

 

Wer bewußt ist, ist frei von jeder Manipulation, kann autonom entscheiden, was er tut und was er läßt. 

 

Die Idee,

ein Vorbild zu benötigen,

setzt eine gute Portion Unbewußtheit voraus.

 

Warum sollten wir unser Denken und Handeln am (Vor-)Leben eines anderen ausrichten?

 

In einer frühkindlichen (2) Lebensphase   hat die Vorbild-Funktion ihre (natürliche) Aufgabe. Wer als „Erwachsener“ noch Vorbilder braucht, ist kein Erwachsener (4), er zeigt, daß bei ihm etwas schief gelaufen ist. Denn, mit dem Teddy... dürfen wir auch das Vorbild verabschieden.

 

Mit der Vorbild-Idee beschränken wir zwei Leute gleichzeitig:

1. macht sie uns selbst unfrei,

2. macht sie auch das Idol unfrei. 

 

Mit dieser Idee bin ich im Rahmen meines Bildes von jemand ande-rem eingesperrt. Intelligenz und Freiheit liegen brach, sie sind aus-gesperrt.

 

Und obendrein darf sich der Held auch nicht anders zeigen, als es meinem Bild von ihm entspricht. Denn fällt er aus dem Rahmen, fällt er bei mir, dem Vorbild-Gläubigen, sofort in Ungnade.

 

Vorbilder, Idole und Helden

sind ein sich selbst ausgestelltes Armutszeugnis.

 

Die Alternative ist Bewußtheit; sie macht den Menschen frei.

 

Vorbild = Unfreiheit

Bewußtheit = Freiheit

 

Es ist also ein Segen, wenn die Vorbilder versagen. Ihr Scheitern macht uns frei und wir fallen auf unsere eigene Intelligenz zurück, z.B. auf unser eigenes Feingefühl und auf unser eigenes Unterschei-dungsvermögen.

 

 

Wir brauchen weder

Vorbilder, noch ihre Nachahmer.

Wir brauchen keine Klone, sondern Originale.

 

 

 

 

Verehrung 

 

  

Es ist schon unglaublich, wie schnell wir bereit sind, an jemanden aufzuschauen, ihn zu verehren, zu bewundern, gar anzubeten. Damit haben wir ihn weit von uns entrückt.

 

Nun können wir beruhigt in den Niederungen weiter dümpeln, die selben Gazetten weiterlesen, die selbe niedere Geistige Reife an den Tag legen. Wir können uns einreden, daß der Abstand zwischen uns und ihm soo gewaltig ist, daß er gar unüberbrückbar ist.

 

Jetzt brauchen wir nur noch ein Portrait von ihm einzurahmen oder eine Büste anzufertigen, damit wir etwas haben, das wir hin und wieder ehrfürchtig entstauben können.

 

Unser Licht lassen wir weiter unter dem Scheffel stehen und die Worte Wahrheit und Weisheit projizieren wir auf die Büste oder das Portrait, denn mit uns hat das alles ja gar nichts zu tun.

 

Mit dieser Art der Verehrung sündigen wir wider den Geist: Wir verleugnen unsere Intelligenz.

 

 

Vorbilder

 

 

Museal platzierte Stein- oder Gipsköpfe von deutschen "Geistesgrößen" in der Walhalla bei Regensburg
Museal platzierte Stein- oder Gipsköpfe von deutschen "Geistesgrößen" in der Walhalla bei Regensburg