Hoffnung 

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Hoffnung ist die zweite Seele des Menschen.“

 

...soll der Herr Geheimrat - Goethe - gesagt haben.

  

Das ist natürlich Quatsch. Ich hoffe jetzt mal, daß dieser Satz nicht von dir formuliert wurde, Johann Wolfgang! Natürlich braucht kein weiterer Seelenstrang eingepflanzt zu werden. Solch eine dumme Idee sollte man schnell wieder fallen lassen. Die Poesie-Alben sind randvoll von solch nett klingenden, aber unwahren Sprüchen.

 

Hoffen heißt: Leben in St. Nimmerlein...,

ist also nicht die intelligenteste Variante.

 

 

 

 

 

   Sind Hoffnung

   und Angst ausgelöscht,

   dann ist die Sorge überwunden.

 

    – Longchenpa

 

 

  

 

"Hoffnung" und "Paradies" können niemals zusammenfinden.

 

Dante Alighieri:

 

Lasset alle Hoffnung fahren,

ihr, die ihr hier eintretet.

 

 

So steht es über der Tür zum Paradies:

Lasciate ogni speranza, e poi entrate.

 

 

Denn die Hoffnung findet keinen Zutritt zum Paradies.

 

Die selbe Wahrheit... 

- aber positiv formuliert - hat der Englische Dichter Alexander Pope:

 

 

Gesegnet ist,

der da nichts erwartet,

denn er soll herrlich überrascht werden.

 

 

So wenig, wie Hoffnung und Paradies zusammenfinden können, so wenig können Eigentum und Paradies zusammenfinden.

 

 

Paradies

 

 

 

 

Hoffen - oder lieben ?

 

 

Dum spiro spero,

dum spero amo,

dum amo vivo.

 

"Solange ich atme hoffe ich, solange ich

hoffe liebe ich, solange ich liebe lebe ich."

 

...sagt Cicero    

 

Deine Äußerung, lieber Cicero, klingt der Form nach ja ganz poetisch, aber dennoch bleibt von ihr nicht viel, was der Erwähnung wert wäre.

 

Cicero: "Solange ich atme hoffe ich"

 

Dann solltest du aber wenigstens gelegentlich mal eine Hoffens-Pause einlegen :-) Denn...

 

„Hoffen und harren, macht manchen zum Narren!“

 

Hoffnung ist eine kindliche Ebene (2) der geistigen Reife. Warum willst du auf dieser Stufe verharren? Du könntest wahlweise u.a. auch leben & feiern, solange du atmest.

 

Cicero: "Solange ich hoffe liebe ich"

 

Das ist nicht wahr; im Gegenteil:

Solange du hoffst, liebst du nicht.

 

Liebe hat eine sehr hohe Schwingung; Hoffnung eine niedere. Wer sich in Liebe befindet, läßt sich in die Höhe möglicher Reife tragen.

 

(„Liebe“ hier bitte nicht mit „Bedürftigkeit“ verwechseln !)

 

Hoffen = ist Angespanntheit: Die Lebenswirklichkeit soll sich mei-nen Wünschen anpassen.

 

Liebe = ist überfließende Zufriedenheit.

 

Aber auf diesen Höhen halten wir es nicht lange aus. Darum stimmt auch der letzte Satzteil nicht:

 

Cicero: "Solange ich liebe lebe ich."

 

Du lebst auch dann, wenn du nicht liebst, nur dann eben nicht auf lichten Höhen.

 

 

Vertrauen 

 

 

 

 

Hoffnung, oder… Zuversicht

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Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehle dir das Hoffen!

Ein Tor ist zugetan, doch tausend sind noch offen.

– Friedrich Rückert

 

Den Geist deiner Worte verstehe ich wohl, lieber Friedrich. Den-noch würde ich gerne eine Kleinigkeit anmerken wollen: Laß uns mal „Hoffnung“ gegen „Zuversicht“ austauschen.

 

Hoffnung ist nicht leer; sie ist zielgerichtet. Sie ist ergebnisgebun-den. Und sie erwartet Erfüllung.

 

Zuversicht ist dagegen eine offene Haltung, sie hat keinen Inhalt. Sie besteht ohne gezielte Erwartung. Und sie übersteht alle Schick-salsschläge.

 

Die Schwester der Zuversicht heißt Vertrauen.

Die Schwester der Hoffnung heißt Verzweiflung.

 

Die Hoffnung kann verloren gehen, die Zuversicht aber bleibt. 

 

(Die Anekdote des biblischen Herrn Hiob bietet uns ein anschauliches Bei-spiel für Zuversicht) 

 

Der bekannte Spruch: „Hoffen und harren macht manchen zum Narren.“ weist auf einen geringen Reifegrad hin. Denn im Spiegel der Geistigen Reife gesehen, befinden wir uns mit der Hoffnung noch in der Enge des Kleinkind-Raumes (2), mit der Zuversicht aber betreten wir bereits die weiten Räume der Weisheit (6).

 

"Einwand: "Verzweiflung ist nicht die "Schwester" der Hoffnung, son-dern das Gegenteil von Hoffnung."

  

Hoffnung & Verzweiflung sind Zwillingsschwestern. Sie können gar nicht ohne einander.

 

J.W.v. Goethe: Fluch sei der Hoffnung!“

 

Das ist aber maßlos übertrieben, Johann Wolfgang. Welcher Teufel dich dabei wohl geritten haben mag?

 

Hoffnung ist doch keine Gestalt, auf die man sauer werden könnte. Sie ist bloß eine Hilfs-Idee eines Menschen, der sich in verzweifelter Lage wähnt (Strohhalm in rauer See) und gerade mal nicht weiß oder vergessen hat, daß er gar nicht fallen oder untergehen kann.

 

 

 

 

Eines Tages...

 

 

Eines Tages wird alles gut sein,

das ist unsere Hoffnung.

Heute ist alles in Ordnung,

das ist unsere Illusion.

 

~ François Marie Arouet  (Voltaire)

 

 

Damit hast du die Wirklichkeit mal eben

auf den Kopf gestellt, lieber François Marie.

 

Genau Jetzt Ist

Alles In Ordnung !

 

Das ist keine Illusion, sondern... einfach wahr!

 

Hoffnung hingegen besteht aus nichts sonst, denn Illusion. Hoffnung ist ein Nicht-im-Einklang-sein  mit der Realität. 

 

Hoffnung ist letztlich:

Hadern mit dem Jetzt.

 

Deine beiden Postulate sind aber nicht weiter verwunderlich, weil die Philosophie die Wirklichkeit oberhalb des Verstandes leugnet. Durch sich selbst kann sie, wie ein rennender Hamster in seinem Rad, zu keinem Ergebnis finden, wenn sie denn - durch Leugnung - die Dimension nicht wechseln kann.

 

Der EgoVerstand  ist nur ein sehr kleines,

weit überschätztes Hilfsmittel zur Lebensbewältigung.

 

Die Philosophie lebt bloß im Verstand. Die Mystik hingegen lebt in dem, was ist und bedient sich des Verstandes nur bei Bedarf.

 

"Jetzt...  ist alles in Ordnung."

 

Diese Feststellung entspringt einer höheren Wirklichkeit -- die sich aber... dem Verstand gänzlich entzieht.

 

 

 

 

 

  Hoffnung:

  Ein selbst gemaltes

  Trugbild für Leidensfreudige.