Nur eine Rolle

 

 

Ich habe versucht, die Welt zu verändern. Aber es ist eine Illusion.“

 

– Fidel Castro

You did your very best.

 

Wir können nichts verändern. Wir spielen unsere Rollen, so gut wir können, das ist alles. Viele spielen mitten im Gedränge, ein paar von uns am Rand der Bühne. Sie geben im grellen Scheinwerferlicht ihr Bestes. Einige stürzen herunter oder werden gestoßen, wieder andere bekommen einen Lorbeerkranz.

 

Es ist nur ein Spiel – nichts Ernstes.

 

 

 

 

Forderungen stellen

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Diejenigen, die immer nur das Mögliche fordern, erreichen gar nichts. Diejenigen, die aber das Unmögliche fordern, erreichen we-nigstens das Mögliche.“

Michail Bakunin

 

Die Gewerkschaften praktizieren offen sichtlich deinen Vorschlag in regelmäßigen Abständen ;-)

 

Wir können uns mit unserer ganzen Energie für etwas einsetzen, wohin uns die Impulse leiten. Wir können alles geben, Michail, das liegt – wie es scheint – in unserer Hand. Aber weder über die Im-pulse, noch über das Ergebnis... haben wir Verfügungsgewalt.

 

Noch ein Aspekt, Michail Bakunin. 

 

Du sagst: „Das Unmögliche fordern“

 

Unter dem Blickwinkel der Geistigen Reife gesehen, haben wir mit Forderungen die kindliche Ebene (2) noch nicht verlassen. Damit stecken wir auf ihr fest. Hier sind haben-wollen, Fordern, eingeschränktes Wertgefühl, Armuts-Denken und Ohnmacht... vor-rangig.

 

Erst auf der Erwachsenen-Ebene (4) beginnen wir, selber zu gestal-ten und Verantwortung zu übernehmen.

 

Der Staat ist prinzipiell nichts anderes als eine etwas größere Haus-verwaltung. Solange wir uns als Opfer sehen, sind wir auch Opfer. Und sobald wir uns als Gestalter sehen, sind wir Gestalter. Der Schritt vom Opfer zum Gestalter ist der vom Kind zum Erwachse-nen.

 

Michail Bakunin: „...das Unmögliche fordern, erreichen wenigstens...“

 

Selbst wenn du zum weltgrößten Forderer mutieren würdest: Du forderst immer nur aus der Frosch-Perspektive, von vermeintlich unten (2) nach vermeintlich oben. So findet keine Reifung statt.

 

Gestaltung dagegen... findet von oben nach unten statt, denn der Gestaltende ist immer größer als das zu Gestaltende.

 

Das „Prinzip Reife“ trifft übrigens auch auf Gruppen und Gesell-schaften zu.

 

  

 

 

Würde

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"Entfremdet und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gütern der Menschheit hat."

– Rosa Luxemburg

 

Die Grundfrage lautet: Wodurch ist unser Denken und Handeln in Bezug auf die Mitmenschen bestimmt: Durch Liebe oder Angst?

 

Du sprichst einen hohen Wert an,

Rosa: Die Würde des Menschen.

 

Wer angst-gesteuert denkt, dem bedeutet Würde nicht

viel. Dem steht das Eigenwohl... an vorderster Stelle.

 

Für die Würde des Menschen – wohlgemerkt: des Menschen schlechthin, ohne Auswahl – beginnen wir uns zu interessieren, wenn unsere Ausrichtung durch die Liebe bestimmt ist.

 

Das Gemeinwohl-Denken (und -Handeln) ist ein Kind der Liebe. „Gemeinwohl“ schließt niemanden aus, macht keine Unterschiede. So, wie die Würde keine Unterschiede macht, so, wie die Liebe... keine Unterschiede kennt.

 

Rosa Luxemburg: Entfremdet und entwürdigt ist nicht nur der, der kein Brot hat, sondern auch der, der keinen Anteil an den großen Gü-tern der Menschheit hat.“

 

Zur Klärung: Sprichst du von spirituellen oder von materiellen Gü-tern? Und was sind für dich (!) die „großen Güter der Menschheit“? Denn für jemand anderen sind die selben Güter vielleicht nicht ganz so „groß“.

 

1. Angenommen, du sprichst von materiellen Gütern: Was auch immer du hier „groß“ nennst, es ist nicht für alle anderen Menschen genau so groß. Das, was dir vielleicht gefällt oder nach größerer Freiheit des Tuns schmeckt, kann schon für deinen Nachbarn eine Belastung darstellen. Für den Einen ist ein großes oder schnelles Auto „groß“, für den Anderen ein nur etwas größerer Garten, für den Einen ist es das große Anwesen, für den Anderen eine große Familie. Hier gibt es keine Gleichheit, im besten Fall... eine Balance.

 

2. Vielleicht meinst du mit Anteil an den großen Gütern der Menschheit haben“ auch die Bildungsgüter (Kindergarten, Vorschu-le, Grundschule, Realschule, Gymnasium, Universität...) sowie die weiteren erforderlichen „technischen“ Voraussetzungen? In diesem Punkt sollte es – um eine Entfremdung von seinem Potenzial und so seine Entwürdigung zu verhindern – für keinen Menschen eine Barriere geben (Idealfall).

 

3. Dieser Punkt ist noch ziemlich neu, er wird aber zunehmend be-deutender. Er heißt „Teilhabe“.

 

4. Oder denkst du an die spirituellen Güter – sie sind um vieles grö-ßer als die materiellen. Aber diese „Güter“ sind schon jetzt frei zu-gänglich. Für Jedermann und zu jeder Zeit. Sie sind eher kommu-nistischer Art. Sie entziehen sich unseren Handels-Gesetzen. Sie nicht vermehrbar und nicht zu verknappen. In diesem Bereich be-trägt die Möglichkeit der Teilhabe bereits 100%.

 

Im sozialen Bereich müssen wir sie uns erst einmal vorstellen kön-nen, die Teilhabe.

KulturCard

 

Einwand: "Du musst nicht lieben, um die Rechte und die Würde des An-deren zu achten."

 

Doch. Das Eine folgt dem Anderen. Wenn du liebst, achtest du die Rechte und die Würde des Anderen. Und wenn du „die Rechte und die Würde des Anderen“ aus freien (!) Stücken achtest..., ist Liebe im Spiel.

 

Einwand: "...deine Liebesphraseologie"

 

Das kommt dir nur so vor, weil einige Begriffe und das Dahinterlie-gende tabuisiert sind. Weisheit ist ein Tabu. Liebe ist ein Tabu.

 

Ein Tabu erkennst du daran, daß du über bestimmte Dinge in dei-ner sozialen Runde nicht normal – erst recht nicht anerkennend sprichst, allenfalls ironisch bis zynisch.

 

Wir behandeln Liebe und Weisheit wie etwas Schmutziges, wie et-was Perverses.

 

Einwand: "Humanitäres Handeln muß zur verpflichtenden Rechtsnorm aller gesellschaftlichen Kräfte werden und Funktionsträger haben ihr Handeln genau diesem Zweck auch unterzuordnen."

 

Ganz einverstanden. Diese „verpflichtende Rechtsnorm“ wird drin-gend gebraucht, wo/wenn die Liebe (Gemeinwohl-Denken) nicht vorhanden oder verkümmert ist.

 

 

 

 

Liebes-Ende ?

 

 

Der Charakter einer Frau zeigt sich nicht, wo die Liebe beginnt, sondern, wo sie endet.“

Rosa Luxemburg

 

Das gilt für die Frau, aber natürlich gilt das genauso für den Mann.

 

Es ist eine Frage der Reife, wie wir mit den Veränderungen un-serer länger andauernden Begegnungen mit anderen Wesen („Be-ziehungen“) umgehen.

 

Ein  „Ende der Liebe“  habe ich bisher... nicht ausmachen können.

 

   Erst - Annäherungen

   Dann - intime Beziehungen

   Nun - räumliche Distanzierungen.

 

Es gibt Veränderungen, besonders im Bereich der körperlichen Intimität, in der Balance von Nähe und Distanz, aber:

 

Ein Ende der Liebe?

Wie soll das gehen?

 

Einwand: "Ob, wann, warum oder wo sie auch immer enden möge... dann war es KEINE echte Liebe."

 

Das ist Quatsch.

 

In jeder Beziehung fließt auch Liebe. Das ist unvermeidlich. Aber der Ego-Verstand schafft es gut, sie auszublenden. Er ist unfähig, Liebe zu erkennen.

 

Umgekehrt projiziert er gerne Liebe dort hin,

wo in Wirklichkeit Bedürftigkeit vorherrscht.

 

Noch etwas: Es gibt keine „echte Liebe“.

Und es gibt auch keine „unechte Liebe“.

 

Einwand: "Wie sollte es Liebe sein, wenn ich nicht verstehe, und wie könnte es Liebe sein, wenn ich nicht verstehe."

 

Der selbe Unsinn.

 

Liebe hat nichts mit dem Verstand zu tun. Da gibt es keine Verbin-dung. Verstehen wollen hat mit Verstand und Ego zu tun.

 

Das wäre ja, wie... mit der Rohrzange ein Gedicht verstehen wollen.

 

In der Liebe gibt es

nichts zu verstehen.

 

Liebe

Geistige Reife

 

 

 

 

Der uneitle Geist

An

 

Man kann sich keinen Menschen vorstellen, der nicht auch Philo-soph ist, der nicht denkt, eben weil das Denken dem Menschen als solchem eigen ist.“

– Antonio Gramsci

 

1. Kann es sein, Antonio, daß du Philosophie und Denken gleich setzt? Daß Weisheit und Denken für dich das selbe sind?

 

Dein Satz ist der eines Intellektuellen, der darüber bass erstaunt ist, daß bei – aus seiner Denk-Sicht – „einfachen Menschen“ ganz prak-tische Lebensweisheiten greifen. Und zwar solche, die über Binsen-Weisheiten weit hinaus gehen, daß also auch bäuerlich lebende Menschen einen direkten Draht zur Weisheit haben.

 

Das wird dich irritiert haben. Aber nur, weil du einer falschen Idee aufgesessen bist, daß nämlich die Weisheit etwas Intellektuelles sei, was nur den Gebildeten vorbehalten und den ungebildeten Men-schen verschlossen bliebe. Sonst könntest du an dieser Stelle nicht erstaunt sein. 

 

Das ist dein Irrtum. Das Gegenteil ist richtig: Nur einem uneitlen, einfachen, rezeptiven Geist wird der Zugang zur Weisheit gewährt.

 

Über das Denken gelangen wir nicht zur Weisheit. Das ist der Holz-weg. Der Intellektuelle kann zwar viele Worte machen, aber keinen Deut Weisheit produzieren. Das Denken gebiert nicht ein einziges Gramm Weisheit.

 

2. Wenn du aber (ehrlich) meinst: „Jeder Mensch ist Philosoph“, oder hat zumindest alle Voraussetzungen dafür, dann ist dir natür-lich zuzustimmen. Aber nicht, weil jeder Mensch denkt, sondern obwohl jeder Mensch auch denkt. Denn die Weisheit muß sich ih-ren Weg durch das Unterholz des Denkens – und seiner vorgefaß-ten Meinungen – erst mühsam bahnen.

 

Je dichter das Gestrüpp des Denkens..., desto

schwerer hat es die Weisheit, durchzudringen.

 

 

 

 

Fortschritt

z

 

"Der gesellschaftliche Fortschritt lässt sich exakt messen an der gesellschaftlichen Stellung des schönen Geschlechts."

Karl Marx

 

Das schöne Geschlecht hat sich ganz schön emanzipiert, Karl. Aber es fehlt noch die gleiche Bezahlung für die gleiche Leistung. 

 

Weitere Fragen auf dem Weg des gesellschaftlichen Fortschritts: 

  • Wie behandeln wir unsere Gefangenen?

  • Wie wird der gesellschaftliche Reichtum geteilt?

  • Wie behandeln wir die Tiere?

  • Wie stark haben wir den "Bürgerschutz gegen Datenmißbrauch" - auch des Staates - gemacht?

  • Wie gut sind inzwischen die Eignungstests (Kriterienkatalog/Lügendetektor) für Politiker?

  • Wie weit wurde das Finanzsystem so revolutioniert, daß das Geld wieder seine eigentliche Bestimmung bekommt, nämlich praktisches (jetzt auch schnelles) Tauschmittel im Dienst der Bürger und der (Real-)Wirtschaft zu sein?

  • Wie weit sind wir damit, daß wir es als unmoralisch ansehen, mit Geld (statt mit Waren) Geschäfte zu machen?

  • Wie...

 

Wir haben also noch ein paar Stufen vor uns !

 

Nicht verzagen,

Neues wagen !

 

 

 

 

Determinismus

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Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“

– Karl Marx

 

Die Menschen machen ihre „eigene“ Geschichte, aber ubewußt aufgrund ihrer Konditionierung, aufgrund ihrer Sozialisation und innerhalb des aktuellen moralischen Rahmens. Der intellektuelle Teil des Denkens und Wollens ist also sehr dünn und der bewußte Teil darin ist noch mal dünner. Von Freiheit im Denken und Wol-len kann nur sehr selten die Rede sein. Dafür wäre Bewußtheit... die Voraussetzung.

 

Einwand: "Damit hat diese Bewusstseinsbildung weniger zu tun."

 

Es gibt keine

Bewußtseinsbildung.

 

Das Bewußtsein ist absolut inhaltsleer. Es ist kein Objekt, ist nicht ein Teil der Materie, ist also nicht (an)faßbar und also auch nicht veränderbar. Wir können unser Denken ändern, unsere Ideologien, unsere Wertvorstellungen, aber am Bewußtsein... können wir nicht schrauben.

 

Einwand: "Wir reden seit geraumer Zeit von Bewusstsein und nicht von Bewußtsein."

 

Das nennt man auch... eine Bagatelle. Außerdem muß nicht jeder... jede Mode mitmachen.

 

Einwand: ""Bewusstsein" impliziert auch "Wissen"."

 

Nein, tut es nicht. Sobald du den Fokus vom Duden weg zur über-prüfbaren Wirklichkeit lenkst, weißt du das auch. Es gibt Dinge, die sind nicht begründbar, aber überprüfbar. Das Bewußtsein bleibt von JEDEM Wissen gänzlich unberührt.

 

Einwand: "Über visuell erfahrbare Gegenstände hinausgehend be-schreibt das Verb "bilden" (mind. seit Mitte des 18. Jh.) auch geistig- seelische Bereiche. So spricht die bürgerlich- humanistische Pädagogik auch von "bilden" im Zusammenhang mit Erziehungsprozessen bzw. Erziehungsergebnissen."

 

Warum sollte ich nachlesen, wie jemand Mitte des 18. Jh. den Ge-schmack der Wald-Erdbeere beschrieben hat, wenn ich die Beere heute und selbst auf der Zunge fühlen kann?

 

Gegenüber dem Begriff Bildung, den ich mit „Gestalten“assoziiere, bevorzuge ich den Begriff „Entfaltung“. Mit ihm assoziiere ich das Sich-Zeigen-Dürfen all dessen, was in der Anlage bereits enthalten ist: Die Entwicklung des Vorhandenen.

 

Der Bildung haftet noch die alte Autoritätsstruktur an: Der Bildner gestaltet das Objekt nach seinen Wünschen und Vorstellungen.

 

Die Entfaltung dagegen hat es eher mit Intelligenz, mit Einfüh-lungsvermögen und mit Wohlwollen zu tun und... keinesfalls mit Gewalt. 

 

 

 

 

Sein & Bewußtsein

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„Das Sein bestimmt das Bewußtsein.“ 

– Karl Marx

 

Es ist anzunehmen, Karl, daß das „in der Gesellschaft sein“ prägen-de Auswirkungen hat, daß wirtschaftliche, familiäre, politische Ge-gebenheiten das „Sein“, also die Persönlichkeit, also unser Denken, vielleicht auch unser Handeln beeinflussen.

 

Insbesondere unsere Emotionen reagieren stark auf die gegebenen Umstände. Und die Anfälligkeit des individuellen, wie des kollekti-ven Unbewußten wird bis heute nahezu komplett unterschätzt. Aber:

 

Es ist ausgeschlossen, daß irgend

etwas „das Bewußtsein bestimmt“

 

 

 

 

Die „Freiheit“ des Friedrich Engels

 

 

Wenn man genau hinsieht, läßt sich erkennen, daß dieser Friedrich bereits in seinem kurzen Satz den Samen einer aufoktroyierten Un-freiheit legt, diesen aber als Freiheit verkaufen will:

 

"Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit."

...meint  Friedrich Engels

Umgekehrt wird es wahr:

 

Einsicht in die Notwendigkeit

ist Teil unserer Freiheit.

 

Die Un-Einsichtigkeit ist übrigens ebenfalls... Teil unserer Freiheit. Die Freiheit ist nämlich sehr viel größer, als uns dieser Friedrich weismachen will.

 

 

 

 

Sockenschuß

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Es macht mir nichts aus, wenn ich falle; solange jemand anderes mein Gewehr aufhebt und weiterschießt.“

– Che Guevara

So kann es scheppern, wenn man zwar noch nicht

"gefallen" ist, aber bereits einen Sockenschuß hat. 

 

Hier auf der Erde sind wir in der Lage, ganz besondere Erfahrungen zu machen. Zum Beispiel können wir unsere Scheuklappen auf der-maßen eng einstellen, daß wir nur noch schießen können.