Geistige Reife - am Bild des sich entwickelnden Mannes

 

 

 

 

Reifestufen  ( 1 ) bis ( 7 )

 

  

Zur Erläuterung der Reifestufen hier bildhaft die Skizze eines sich natürlich entwickelnden Mannes.

 

Die folgende Typisierung (1) bis (7) ist weder als Mittel zur Pathologisierung, noch als Stigmatisierung gedacht, sondern dient als Hilfskonstrukt dem Verständnis außerkontextueller* Probleme:

 

(7) Mystiker - Der ins Schweigen gehende...

(6) Weise - Der weise Alte

(5) Lehrer - Der Lehrer  (mit Herzens-Bildung)

(4) Erwachsene - Der verantwortungs-bewußte Mann  ("Halbzeit“)

(3) Rebell - Der alles in Frage stellende, respektlose Jugendliche

(2) Kleinkind -  Nach Zuneigung & Aufmerksamkeit verlangend

(1) – Baby - Das sich alles einverleibende, nimmersatte

 

 

Auf den Ebenen (1) bis (3) ist "brauchen" vorrangig. 

Auf den Ebenen (4) bis (6) ist "geben" vorrangig. 

 

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*) Ein außerkontextuelles Problem weist auf ein Phänomen, das im Kontext des Wahrnehmenden - ohne eine weitere Hilfsidee - nicht gesehen, also auch nicht verstanden und deshalb nicht gelöst werden kann. 

 

 

 

 

Zum Verständnis der...   7 "Etagen"

 

  

Es bedeutet natürlich nicht, daß es nicht auch (wenigstens ein paar) weise Jungs und auch einige "pubertierende" Männer geben kann. 

 

Ein

Indiz für Reife ist,

daß wir den Anderen nicht mehr

abwerten müssen, um uns selber aufzuwerten. 

 

Alle 7 Stufen der Reife sind – wie die Stockwerke eines Hauses – immer gleichzeitig vorhanden und wir fahren spielend – wie mit einem Aufzug – zwischen allen 7 Stockwerken, alle Ebenen nutzend; die eine mehr, andere weniger.

 

Darum kann man zu jeder Zeit nachschaun, auf welcher Ebene man sich selbst, in diesem Moment, gerade befindet: Im Denken, im Reden, beim Schreiben oder im sonstigen Handeln... 

 

Es geht hier aber nicht um´s Pathologisieren !  Wir alle bringen sämtliche Ebenen zum Ausdruck, die eine mehr, die anderen weniger. Und manche Menschen verharren vorzugsweise auf einer zu ihnen passenden...

 

Unsere Forscher, beispielsweise, befinden sich – lt. Modell – auf der Neugieriges-Kleinkind-Ebene (2) und nutzen alle Intelligenz dafür, Dinge auseinander zu nehmen oder zusammen zu setzen.

Sie sind in ihrem Tun eine große Bereicherung für die Gesellschaft! Aber: 

 

In der politischen Kultur benötigen wir

Leute ab mindestens der Reife-Stufe (4).  

 

Geben wir uns mit weniger zufrieden, schaden wir bereits damit den Menschen dieser Gesellschaft!

 

Wollen wir, daß die Intelligenz in vollem Umfang Einzug in die Parlamente hält, kommen wir um die Elle der geistigen Reife nicht herum. An ihr müssen wir die Personen, ihre Äußerungen und ihre Handlungen messen. Diesen Maßstab haben wir viel zu lange links und rechts liegen lassen! 

 

 

 

 

Geistige Reife

 

  

Es wird weiterhin versucht, die vermeintlich “individuelle" Intelligenz auf irgend eine Weise zu messen, ihr einen Maßstab anzulegen, ihr habhaft zu werden, sie mittels Verstand unter Kontrolle zu bekommen.

 

Intelligenz wird mit diesem Test und seiner Bewertung auf die Ableistung von Fertigkeiten reduziert. Aber…

 

Intelligenz

ist nicht meßbar.

 

Selbst der Erfinder der Intelligenz-Tests, der französische Psychologe Alfred Binet, hat später eingeräumt, daß Intelligenz nicht meßbar ist und sich von seinem Test distanziert.

 

Wie auch? Ist unser kleiner und zudem vergleichsweise “dummer” Verstand mit seinen Bedürfnissen nach (Ein-)Ordnung, nach Messen, Wiegen und Zählen doch soo viel kleiner, als die uns umgebende Intelligenz!

 

Die Idee des IQ mußte schon deshalb scheitern, weil sie andere, weit bedeutsamere Aspekte gar nicht enthält, z.B. den viel größeren, den wir Geistigen Reife nennen und vor allem nicht: Das Bewußtsein.

 

Ein Hilfskonstrukt, die Ebene der Geistigen Reife in einer beliebigen Situation zu „orten“, bietet eine siebenstellige Skala als graphisch vereinfachtes Abbild der natürlichen Entwicklung des Mannes: 

                  7  -  Mystiker

               6  -  Weise

            5  -  Lehrer   

         4  -  Erwachsene  - - -  (Halbzeit) - - -

      3  -  Rebell    

   2  -  Kleinkind   

1  -  Baby

 

Es herrscht allgemeines Einverständnis darüber, daß es Babys gibt, daß es auch Kinder und Jugendliche gibt und darüber hinaus noch Erwachsene, Lehrende, Weise und Mystiker; jeder auf dem Stand seiner Reife.

 

Individuell gesehen, glauben wir jedoch, daß unser Wachstum mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter erfolgreich abgeschlossen ist. Das ist ein fataler Irrtum, denn:

  

Die Erwachsenenreife markiert das Ende unseres 

Wachstums in die Länge, nicht aber das in die Tiefe! 

 

 

Dieser fatale Irrtum könnte erklären, warum wir es zulassen, daß in höheren oder wichtigen und auch in leitenden Positionen zum größten Teil keinerlei Weisheit vorkommt: Wir erwarten sie nicht!

 

Meist genügt es uns, wenn man uns für "erwachsen" hält - als wäre das bereits die Krone des Mensch-seins. Dabei ist das erst die halbe Strecke!

An diesem Punkt können wir also höchstens das "Bergfest" feiern.

 

Weisheit erwarten wir allenfalls von den Anderen: aus Büchern, Google, Youtube, Wikipedia, von Experten, Priestern, Politikern, Meinungsforschern, Gutachtern, Philosophen und Heiligen...

 

So, als wären immer nur andere fähig, ihre Intelligenz, ihre Intuition, Weisheit, ihre Tiefe... zu nutzen und zu kommunizieren, so als wären wir ausschließlich Konsumenten, "Verbraucher", Leser, Zu-Hörer, Rezipienten; als hätten nur andere den Zugangsschlüssel, aber niemals wir selbst. 

 

Dem ist aber nicht so: Jeder von uns hat den Schlüssel in die Hand bekommen. Ob wir ihn nun benutzen, oder nicht, liegt indes ganz allein bei uns.

 

Uns stehen nicht nur die unteren Ebenen der menschlichen Reife zur Verfügung. Qua Geburt haben wir auf ausnahmslos alle Ebenen das gleiche Anrecht! 

 

 

 

 

Balance

 z

 

Menschliche Reife beginnt dort, wo die Sorge um andere größer wird als um die eigene Person. 

Werner Mitsch

  

Deine Sorge um andere, Werner, muß nicht größer sein als die um dein eigenes Wohl: Der Andere ist nicht bedeutender als du selbst.  

 

Die menschliche oder geistige Reife des erwachsenen (4

Menschen beginnt mit der Bereitschaft  zur Übernahme von

Verantwortung sowohl für sich selbst, als auch für andere.

 

Es geht eben nicht darum, daß der Eine wichtiger wäre als der Andere. Es geht nicht um entweder/oder. Es geht darum, daß wir Eigenwohl und Gemeinwohl in Balance denken können.

 

 

 

 

Beispiel

 

 

Ein konkretes Beispiel für einen Ebenen-Wechsel:

 

Eine bayerische CSU-Politikerin hatte ihre Tochter auf die Waldorf-Schule geschickt. Als angehende Bildungsministerin bekam sie nun erheblichen Druck: Sie solle doch endlich ihre Tochter von "dieser Schule" nehmen! 

Die Tochter sagte ihr unter Tränen, daß sie - wenn sie ihrer Mutter mit dem Verbleib schaden würde - bereit sei, die Schule zu verlassen. 

Daraufhin beschloß die Frau, ihre Tochter nun doch auf der Waldorf-Schule zu belassen. 

 

Beide, sowohl das Mädchen, als auch seine Mutter, sind mal eben vom „brauchen & wollen“ zum „lieben & geben“ auf eine höhere, weisere Herzens-Ebene gewechselt.  

 

 Wenn die Seele bereit ist,

sind es die Dinge auch.

 

~ William Shakespeare ~

 

 

 

Menschliche Reife

 

  

Wir treten ohne Ego-Verstand in dieses Leben ein. Er bildet sich erst nach einigen Monaten und spätestens kurz vor unserem Austritt aus dem Erdenleben verschwindet er schon wieder.

 

Die Ausbildung des Ego-Verstandes sagt nichts über die Reife eines Menschen aus; ebenso wenig, wie es die Anhäufung von Wissen oder Rhetorik leisten können. 

 

Geistige Reife stellt als außerkontextuelles Hilfskonstrukt ein Konvolut von  Kriterien zur (annähernden) Bestimmung von spezifischer Befähigung dar.

 

Die Fähigkeit zur Wahrheit...

ist eines der wesentlichsten Merkmal von Reife.

 

Wissen ist... 

Akkumulation vermeintlicher Informationen aus zweiter Hand.

 

Ein „Weiser“ und ein „Gelehrter“ können sich naturgemäß niemals in einer Person treffen. Sie sind grundverschieden.

 

Weisheit ist niemals von anderen!

 

Weisheit kann niemals von anderen sein, denn sie wirkt zeitnah am jeweils akuten "Problem" und beruht ausschließlich auf eigener Erkenntnis.

 

Wenn Sokrates ein alter Grieche – sagt, daß er weiß, daß er nichts weiß, ist das ein erster Hinweis darauf, daß es sich bei ihm um einen Weisen und nicht um einen Gelehrten oder einen Lehrer von Wissen (im Sinne von „Pauker“) handelt.

 

Denn Weisheit kennt keine Gruppenzugehörigkeit, keinen Dünkel, keinen elaborierten Code, keine Abgrenzung, kein Studium. Ihre Tendenz geht nicht unnötigerweise in Richtung Verkomplizierung, sie kommt einfach daher.

 

 

 

 

Kollektive Reife

  

  

Auch die Kollektive der Menschen (Länder, Gebiete, Stämme, ...) sind in ihrem jeweiligen Grad an Reife sehr verschieden.

 

Ich hörte von einem Stamm irgendwo in Indien, in dem es üblich ist, daß ein Mann als Junge zur Schule geht und anschließend seine Ausbildung absolviert. (2)

 

Darauf hin übernimmt er Verantwortung, indem er einen Beruf ausübt, eine Familie gründet und sich auch sonst engagiert um die Gemeinschaft kümmert (4)

 

Mit 40 Jahren (!) verläßt er seine Familie und geht in den Wald. Dort sucht er sich seinen Baum und sitzt dort einfach still für sich. Die Familie kommt noch gelegentlich vorbei und läßt sich von ihm in allen möglichen Angelegenheiten beraten. (6)

 

Nach ein paar Jahren verläßt der Mann auch seinen Baum, den Wald und die Familie endgültig. Er ist jetzt nur noch unterwegs (7) und nimmt nur das Essen zu sich, das ihm unterwegs angeboten wird.