Architektur

 


 

Einen 3-D-Block (Länge x Breite x Höhe) mag man vielleicht ein Gebäude nennen, er ist deshalb aber noch kein dem Menschen würdiger Wohnraum.

 

 

 

 

Gute Architektur

 

 

 

Ärzte können ihre Fehler begraben,

aber ein Architekt

kann seinen Kunden nur raten, Efeu zu pflanzen. 

 

~ George Sand ~

 

Architektur wird immer unmittelbar wahrgenommen und erlebt.

 

Ob schön, oder häßlich - die Wirkung auf unser Empfinden stellt sich sofort ein: Wir fühlen uns angenehm oder unangenehm berührt.

 

1. Gute Architektur  ist, wenn unser ästhetischer Sinn durch Harmonie, Schönheit und einer Spur von Überraschung, genährt wird.

 

2. Gute Architektur  wird sich dem Wohlgefühl der künftigen Bewohner und Besucher verpflichtet sehen.

 

3. Gute Architektur  wird immer auch die Umgebung in konzertanter Weise in die Gestaltung des Einzelbauwerks einbeziehen. Und dem entsprechend bezieht sie auch die Interessen und Gewohnheiten der benachbarten Menschen mit ein.

 

 

Gute Architekten wissen...

um die Wirkung der Form.

 

Sie wissen, daß sie mit ihrem Zeichenstift einen Schlüssel auch über die körperliche und psychische Gesundheit der Menschen in der Hand halten.

 

 

 

Sakrale Bauten

A

 

Kirchen sind … Tunnel in die Tiefe der Zeiten, wo ich Kontakt auf-fnehmen kann zu denen, die vor mir auf diesem Planeten die gro-ßen Fragen stellten und ihre Antworten in Stein verewigten, unser-einen zu erheben und zugleich zu beschämen.“

– Michael Klonovsky

 

Michael: „Kirchen sind … Tunnel, ... unsereinen zu beschämen.“

 

Das ist Quatsch. Das ist nicht ihre Aufgabe. Noch niemals habe ich mich in einer Kapelle, einer Kirche, einer Basilika, einem Dom oder in einer Kathedrale "beschämt" gefühlt. Scham ist fehl am Platz.

 

Michael: „Kirchen sind … Tunnel ... unsereinen zu erheben.“

 

Ja, dafür sind sie da. Sie laden zur Meditation ein.

 

Es heißt, der (ursprüngliche) Altar stehe jeweils auf einem besonde-ren Platz. Um dieses Feld herum habe man die Kirchen gebaut. Ein Wissen, von dem wir Heutigen nichts mehr wissen. Das gilt auch für die Art der Architektur, der Fenster und anderer Einrichtungen.

 

Alles dient unterstützend... der inneren Erhebung.

 

Michael: „Kirchen sind … Tunnel in die Tiefe der Zeiten, wo ich Kontakt aufnehmen kann zu denen...“

 

Nein, die Kirchen dienen nicht der Nekrophilie. Im Gegenteil: Sie helfen uns, das Gedanken-Karussell mal zu verlassen und in den gegenwärtigen Moment zu kommen.

 

Michael: „...die vor mir ... die großen Fragen stellten“

 

Es gibt keine „großen“ Fragen. Es gibt nur Fragen unterschiedlicher Qualität, gestellt in unterschiedlichen Reifestadien des Fragenden. Und irgendwann, ab einer gewissen Geistigen Reife, werden gar keine mehr gestellt.

 

Die natürliche Hochzeit des Fragestellens ist das Reife-Stadium der Kindheit (2).

 

Michael: „...denen, die ... unsereinen zu erheben“

 

Viele können dich auf den Arm nehmen, aber niemand kann dich innerlich erheben. Es geschieht, oder es geschieht nicht. Deine Bereitschaft loszulassen, ist erforderlich, sonst nichts. Eine Person wird dafür nicht gebraucht – und letztlich auch kein Gemäuer.

 

Wenn sie in die Stille führen, erfüllen

sie ihre Aufgabe, die sakralen Bauten.

 

Einwand: "Ich vermag nichts falsches daran zu erkennen, sich angesichts wahrer Größe beschämt zu fühlen. Sei es nun die Größe einer Gottheit, einer Architektur oder einer transzendenten Ahnung. Wäre es nicht sogar Hybris, hier nicht ein wenig Scham zu empfinden? Scham sollte nicht mit Schuld verwechselt werden, jedenfalls nicht im uns geläufigen Sinnes dieses Wortes. Ich denke sogar: Nur was in der Lage ist, uns zu beschämen, kann uns auch erheben. Denn nur wahre Größe erhebt uns wirklich. Insofern ist Scham nur die Kehrseite der Erhabenheit, des sich-erhoben-Fühlens. Das eine ist der Schatten des anderen, das eine ist ohne das andere nicht zu haben."

 

Hybris ist in der Naturwissenschaft sicher in vielen Formen anzu-treffen, aber ich glaube nicht, daß es sich schon um eine solche han-delt, wenn jemand ohne Scham eine Kirche betritt und sie ohne Scham wieder verläßt. 😇

 

Einwand: "Es war ja auch nur als Frage formuliert. Aber verstehst Du, was ich mit den beiden Polen Scham-Erhebung meine?" „Nur was in der Lage ist, uns zu beschämen, kann uns auch erheben.“

 

Ist das wahr? Ist das Ihre Erfahrung? Stolz, Scham, solches hat mit dem Verstand zu tun, mit der Konditionierung und mit verqueren Selbstbildern.

 

In einer Kirche haben der Verstand und seine alltäglichen Inhalte nichts verloren. Andernfalls könnten wir auch gleich draußen blei-ben. Solange Stolz oder Scham präsent sind, sind wir noch nicht in Stille.

 

Ein Moslem stellt seine Schuhe vor der Moschee ab, bevor er ein-tritt. So sollten wir den Verstand für die wenigen Besuchs-Minuten draußen vor der Tür lassen. Der findet sich von ganz allein... später im Gewusel schon wieder ein. Nötigenfalls hilft das kleine Ritual am Weihwasserbecken, das an jedem Kirchen-Eingang bereit steht.

 

Und dann... einfach sich fallen lassen in die Mitte, in die gedanken-lose Präsenz. Um Erhebung... brauchen wir uns nicht zu kümmern.

 

Aber selbstverständlich will (und kann) ich niemanden daran hin-dern, mit „Schaudern“ und „Scham“ in einer Kirche zu verweilen. Wir sind frei. Ich sage bloß, daß es nicht nötig ist. Wir können in den Kirchen ohne irgend etwas, also voraussetzungslos nach innen gehen, meditieren.

 

Einwand: „Nennen Sie es also „fallen lassen“..."

 

Wenn wir fallen lassen, lassen wir alles fallen, auch den Moralkom-plex, auch die Ideen von Demut und Hingabe.

 

Einwand: „...dass gerade die Demut zur Erhebung führen könnte.“

 

Eine Kirche ist kein Marktplatz: „Gibst du mir Demut, kriegst du Erhebung“. Und: Spirituelle Orte funktionieren auch nicht wie die Mechanik: actio = reactio.

 

Den Wunsch nach Erhebung sollten wir zusammen mit den ande-ren Anteilen des Verstandes draußen vor der Tür lassen.

 

 

 

 

Ehrfurcht

 

 

Mir hat es immer am Menschen gefallen, daß er, der Louvres, ewige Pyramiden, und Peterskirchen selbst verfertigt, mit Entzücken eine Bienen-Zelle oder ein Schneckenhaus betrachten kann."

 

Georg Christoph Lichtenberg

 

Ich bin mir nicht ganz so sicher, daß es der Mensch gewesen sein soll, der die bedeutenderen Bauwerke geschaffen hat. Vielleicht sind sie unwissentlich abgekupfert? Vielleicht lagen die Blaupausen schon bereit?

 

Vom Taj Mahal heißt es, daß der Name des Mannes nicht bekannt sei, der es entworfen hatte. Er hatte nirgends seinen Namen hinterlassen. Wohl wissend, daß er selbst der Schöpfer nicht war. 

 

Die meisten architektonischen Werke sind nicht überragend, oft sind sie eher durchschnittlich bis... unzumutbar.

 

 

 

 

Architektur & Schönheit

 

 

"Goethe verlangt von einem schönen Gebäude, daß es nicht bloß auf das Auge berechnet sei, sondern auch einem Menschen, der mit verbundenen Augen hindurchgeführt würde, noch empfindsam sein und ihm gefallen müsse."

 

...schrieb Friedrich Schiller am 9. 11. 1795 dem Wilhelm von Humboldt

  

Letzteres besagt, daß sich Form als solche auf den Menschen auswirkt – und zwar nicht nur über das Auge. Unsere jetzige Wissenschaft weiß - scheint´s - noch nichts davon.

 

Das kann jeder auf einfache Weise selber herausfinden, indem er verschiedene Gebäude aufsucht, deren Äußeres und Inneres auf sich wirken läßt und diese Auswirkungen dann beobachtet.

 

Der Hinweis des J.W.v. Goethe, dabei die Augen zu schließen, könnte sehr hilfreich sein.

 

Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, daß sich noch weitere Faktoren auf das Empfinden auswirken können. Dazu stellt sich die Frage: „Welche Menschen sind oder waren in welcher Absicht in diesem Gebäude zudem noch anwesend?“ Es macht nun mal einen erheblichen Unterschied, ob man gerade in einem Gefängnis-Gebäude wahrnimmt, in einer Klinik, einer Basilika, einem Plenarsaal, einer Fabrik, einem Schlachthaus oder in einem Kloster, denn...

 

Das Denken und Tun der Menschen hat

seine... wahrnehmbaren  Auswirkungen.

 

 

Methodik

 

In der derzeitigen Wissenschaft spielt die Analyse eine große Rolle, nämlich das...

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Mit wissenschaftlichen Methoden machen wir Schönheit nicht erkennbar. Sie kann nur über den Eindruck des Ganzen wahrgenommen werden.

 

Ein weiterer Unterschied zur Wissenschaft: Das Erleben von Schönheit bedarf – außer ihres auslösenden Phänomens – keinerlei Voraussetzung wie z.B. einer (Aus-)Bildung, eines Werkzeugs oder einer Methode.

 

 

Sinn für Schönheit

 

Wir – und in der Folge die Architekten – haben meistenteils den Sinn für die mögliche Schönheit eines Gebäudes verloren. Wir fragen schon gar nicht mehr danach. 

 

Aber wir regen uns gewaltig auf, wenn irgendwo in der Wüste antikes Gerümpel und brüchiger Stuck zerschlagen wird.

 

Wenn uns Schönheit dermaßen wichtig ist, warum richten wir unsere Umgebung nicht dergestalt her, daß wir uns wohl und manchmal gar erhaben fühlen? Oder wollen wir sagen, daß es das Gen für die Wahrnehmung von Schönheit nur in der Antike gab?

 

Von mir aus soll man den ganzen Quatsch zertrümmern, damit wir endlich anfangen können, JETZT... schön und dem Wohlbehagen des Menschen förderlich, zu bauen und ander-weitig zu gestalten. Ich kann nicht sehen, daß uns die dazu erforderlichen Gene und die entsprechende Intelligenz fehlen.

 

Was ich sehe ist, daß wir uns verlaufen haben, daß wir etwas ganz anderes, nämlich Effizienz und Geldgewinn an die Motivations-Spitze gesetzt haben.

 

Solange wir uns den feineren Eingebungen gegenüber verschließen, kann das noch nichts werden. Denn das, was wir als Schönheit wahrnehmen, kommt aus einer anderen Dimension. Sie kommt nicht aus dem berechnenden und kalkulierenden Verstand.

 

 

Schönheit und Erhabenheit

 gehen dem Verstand über den Horizont.

 

Zumindest die entscheidenden Leute und die Baumeister sollten ihren Blick künftig mehr auf die Geschwister der Schönheit, also auf Dankbarkeit, Heiterkeit, Ehrfurcht, Mitgefühl und Lobpreisung lenken, denn daraus folgen Umdenken und Umgestalten in die Richtung des Schönen... fast wie von allein.

 

Die Wahrnehmung von Schönheit ist

zugleich Anerkenntnis des Wunderbaren.

 

 

 

 

Ein paar schöne Beispiele der Baukunst kann man unter diesem Link finden. (Ein Klick auf das jeweilige Bild vergrößert es.)